Die kommunale Wärmewende wird konkret
Die kommunale Wärmewende ist keine abstrakte Vision mehr, sondern ein realer Prozess, der in vielen deutschen Kommunen bereits begonnen hat. Die Herausforderungen sind komplex: Alte Erdgasnetze, hohe Sanierungskosten, steigende CO2-Preise und eine diffizile politische Lage. Gleichzeitig stehen Lösungen bereit – in Form von Fernwärmenetzen, erneuerbaren Energien und kommunaler Innovationskraft.
In der aktuellen Podcastfolge von „Energie im Wandel“ spreche ich mit Dr. Florian E. Nigbur und Christian Thommessen vom Podcast „Energopolis“ über die entscheidenden Hebel für eine erfolgreiche kommunale Wärmewende.
Hier geht’s zur Folge: Podcast anhören
1. Warum Fernwärme ein zentrales Element der Energiewende ist
Wärmeversorgung macht in Deutschland mehr als die Hälfte des Endenergieverbrauchs aus. Fernwärme bietet das Potenzial, diese Versorgung klimaneutral, effizient und bezahlbar zu gestalten. Gerade in urbanen Räumen ermöglicht sie die Nutzung zentraler erneuerbarer Quellen wie Solarthermie, Abwärme oder Großwärmepumpen. Zudem reduziert sie Abhängigkeiten von fossilen Brennstoffen und fördert lokale Wertschöpfung.
2. Kommunale Wärmeplanung: Der Masterplan für die Zukunft
Die kommunale Wärmeplanung ist gesetzlich vorgeschrieben – für große Kommunen bis 2026, für kleinere bis 2028. Ziel ist es, Gebiete zu identifizieren, in denen Wärmenetze wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll betrieben werden können. Es geht dabei nicht nur um technische Analyse, sondern um die strategische Grundlage für alle kommenden Investitionen.
Ein guter Wärmeplan beinhaltet:
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Bestandsanalyse der heutigen Versorgung
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Potenzialanalyse für erneuerbare Quellen und Abwärme
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Identifikation von Eignungsgebieten für Wärmenetze
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Entwicklung von Umsetzungsstrategien und Prioritäten
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Beteiligung von Stakeholdern, Bürgern und Politik
3. Was nach der Planung kommt: Machbarkeit & Umsetzung
Ein kommunaler Wärmeplan ist erst der Anfang für die kommunale Wärmewende . Danach beginnt die eigentliche Herausforderung: konkrete Machbarkeitsstudien, die Gründung von Projektstrukturen, Bürgerkommunikation und technische Planung.
Ein klarer Erfolgsfaktor ist die Einbindung aller relevanten Akteure von Anfang an:
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Stadtwerke oder Energieversorger
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Verwaltung und politische Entscheidungsträger
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Industriepartner und Abwärmelieferanten
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Wohnungswirtschaft
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Bürgerinnen und Bürger
Hier bewährt sich die frühzeitige Bildung eines kommunalen „Wärmetisches“, an dem regelmäßig kommuniziert, geplant und entschieden wird.
4. Technikmix: Warum es keine Universallösung gibt
Es gibt nicht die eine technische Antwort. Vielmehr ist ein individueller Energiemix notwendig:
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Solarthermie lohnt sich, wenn ausreichend Fläche vorhanden ist und keine konkurrierenden Abwärmequellen existieren.
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Großwärmepumpen sind besonders attraktiv bei Zugang zu Flusswasser, Abwasser oder Grundwasser.
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Biogasanlagen können regional eingespeist werden, wenn ihre Abwärme bislang ungenutzt bleibt.
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KWK-Anlagen werden als Rückgrat für kalte Wintertage oder Dunkelflauten ergänzend gebraucht.
Zentrale Voraussetzung bleibt die Wirtschaftlichkeit, beeinflusst durch Wärmelinien-Dichte, Infrastrukturkosten, und die Verfügbarkeit der Quellen.
5. Die unterschätzte Rolle der Kommunikation
Die kommunale Wärmewende ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine soziale Transformation. Ohne die Akzeptanz der Bürger:innen und die Bereitschaft zur Beteiligung ist kein Netz wirtschaftlich zu betreiben. Eine offene, transparente Kommunikation ist daher entscheidend:
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Infoveranstaltungen zu Machbarkeiten und Anschlussbedingungen
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Beteiligungsmöglichkeiten wie Genossenschaften oder Contracting
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Verständliche Erläuterungen zur Preisgestaltung und Klimawirkung
6. Hemmnisse und Hebel in der Praxis
Einige zentrale Herausforderungen:
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Personalmangel bei Stadtwerken und Planungsbüros
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Unklare politische Rahmenbedingungen
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Langwierige Genehmigungsverfahren
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Flächenkonkurrenz in städtischen Gebieten
Doch es gibt auch starke Hebel:
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Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW)
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Langfristige Strompreissenkungen, die Großwärmepumpen attraktiver machen
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Neue Instrumente wie dynamische Netzentgelte
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Ein wachsendes Bewusstsein für regionale Versorgungssicherheit
7. Wie Stadtwerke jetzt aktiv werden können
Viele Stadtwerke stehen am Beginn der Wärmewende. Die wichtigsten Schritte:
- Interne Zuständigkeiten klären und ggf. Personal aufbauen
- Wärmetisch etablieren mit relevanten Akteuren
- Machbarkeitsstudien in Auftrag geben, ggf. mit Unterstützung externer Experten
- Fördermittel sichern und sich auf BEW & Co. vorbereiten
- Stakeholder einbinden, Bürger aktiv informieren und gewinnen
8. 2045 beginnt jetzt
Wenn wir 2045 klimaneutral sein wollen, müssen die entscheidenden Projekte jetzt geplant, kommuniziert und umgesetzt werden. Das heißt nicht, überstürzt zu handeln – aber es heißt, entschlossen Verantwortung zu übernehmen. Die Technologien sind da, die Erfahrungen aus erfolgreichen Projekten wachsen. Jetzt braucht es Mut, Haltung und eine klare Strategie.
Wärmeversorgung wird zum Schlüsselement der lokalen Energiewende
Kommunen stehen nicht allein da. Mit starken Partnern, durchdachter Planung und dem Willen zur Umsetzung kann die kommunale Wärmewende gelingen. Fernwärme wird in vielen Fällen zum stabilen Rückgrat der Zukunft – nicht als alleinige Lösung, sondern als Teil eines intelligenten, individuellen Energie- und Versorgungskonzepts.
Podcast-Empfehlung: Jetzt die gesamte Folge mit Christian Thommessen und Dr. Florian E. Nigbur anhören: Hier klicken