PV-Direktinvestment & Stromanbieter: Fabio Griemens über Rendite, Speicher und Energiewende-Schub

Warum die Energiewende jetzt neue Geschäftsmodelle braucht

Die deutsche Energiewirtschaft steht unter massivem Veränderungsdruck. Elektrifizierung, Klimaziele, geopolitische Abhängigkeiten und ein wachsender Strombedarf treffen auf ein System, das historisch langsam, reguliert und komplex gewachsen ist. Bis 2030 wird Deutschland deutlich mehr Strom benötigen – und dieser Strom soll zu großen Teilen aus erneuerbaren Quellen stammen.

Doch eine zentrale Frage bleibt oft unbeantwortet: Wer finanziert diesen Umbau – und wie gelingt er wirtschaftlich?

In der aktuellen Podcastfolge von Energie im Wandel spreche ich mit Fabio Griemens, einem Quereinsteiger in die Energiebranche, der genau an dieser Stelle ansetzt. Mit Helio Connect hat er ein Modell aufgebaut, das privates Kapital systematisch in Photovoltaik, Batteriespeicher und Infrastruktur lenkt – nicht aus Idealismus, sondern aus Renditelogik.

Oder wie ich es im Gespräch selbst formuliere:

„Das Thema Energiewende hat für die nächsten Jahre, glaube ich, eine ganz große Relevanz.“


Vom Tech- und Mobility-Umfeld in die Energiewirtschaft

Fabio Griemens’ Werdegang ist alles andere als klassisch für die Energiewirtschaft. Studium in Maastricht, Stationen bei LinkedIn, eBay und Free Now – geprägt von Skalierung, Plattformlogik und Wachstum. Erst vor rund anderthalb Jahren entschied er sich bewusst für den Wechsel in die Energiebranche.

Der Auslöser: Gespräche mit einem engen Freund, der bereits Photovoltaik-Freiflächenprojekte entwickelte. Schnell wurde klar, dass es weniger an Technologie mangelt als an Finanzierungsmodellen, die schnell, skalierbar und attraktiv sind.

Statt sich von regulatorischen Hürden abschrecken zu lassen, ging Fabio einen anderen Weg:

  • Fokus auf Geschäftsmodell statt Branchenlogik

  • Nutzung bekannter Finanzierungsmechanismen aus der Immobilienwelt

  • Konsequente Skalierung über Partner und Multiplikatoren

Genau dieser Blick von außen wurde zu einem entscheidenden Vorteil.


Das Kernmodell: PV-Direktinvestment statt abstrakter Fonds

Helio Connect ermöglicht sogenannte PV-Direktinvestments. Dabei investieren Anleger nicht in einen Fonds oder ein virtuelles Produkt, sondern in eine konkret zugeordnete Photovoltaikanlage.

Das bedeutet:

  • eigene Parzelle innerhalb eines Solarparks

  • eigener Wechselrichter

  • eigener Pachtvertrag

  • steuerlich klar trennbar

  • volle Transparenz über eine App

Technisch wie rechtlich ist das Investment eindeutig zugeordnet. Anleger können – im wahrsten Sinne des Wortes – zur Anlage fahren und „ihr“ Asset sehen.

Finanziert wird das Investment ähnlich wie eine Immobilie:

  • ca. 20 % Eigenkapital

  • ca. 80 % Fremdkapital über Banken (über Heliofinanz strukturiert)

Je nach persönlicher Einkommens- und Steuersituation kann ein Teil des Eigenkapitals sogar über Steuererstattungen abgebildet werden. Wichtig ist: Helio Connect berät nicht direkt Endkunden, sondern arbeitet ausschließlich über Finanzberater, Vermögensverwalter, Banken und Family Offices.

Der durchschnittliche Investitionswert liegt aktuell bei rund 200.000 bis 300.000 Euro – bewusst gewählt, um technische Effizienz (Wechselrichter, Speicher, Wartung) sicherzustellen.


Batteriespeicher: Der entscheidende Hebel

Ein zentrales Thema im Interview ist der Ausbau von Batteriespeichern. Während Photovoltaik allein oft nur 20–30 % des Strombedarfs eines Gewerbekunden decken kann, verändern Speicher die Spielregeln grundlegend.

Durch Lastverschiebung lassen sich:

  • Erzeugung und Verbrauch besser matchen

  • Preisschwankungen glätten

  • Strom gezielt in Hochpreiszeiten vermarkten

Im Gespräch wird deutlich: Speicher sind nicht Ergänzung, sondern Systemkomponente. In Kombination mit Windstrom und Marktanbindung lassen sich so bis zu 70 % des Strombedarfs bestimmter Gewerbekunden planbar aus erneuerbaren Quellen decken.

Ich bringe es im Interview auf den Punkt:

„Du bist das lebende Gegenbeispiel.“

Gemeint ist: Der oft behauptete Mythos, dass die Energiewirtschaft für Quereinsteiger zu komplex sei, wird hier praktisch widerlegt.


Der nächste Schritt: Ein eigener Stromanbieter

Helio Connect denkt nicht bei der Erzeugung auf. Der nächste logische Schritt ist ein eigener Stromanbieter, der ab 2026 an den Markt gehen soll.

Die Idee dahinter:

  • Strom aus eigenen PV- und Speicheranlagen direkt vermarkten

  • Bilanzkreismanagement selbst übernehmen

  • Erzeugungsprofile und Lastprofile intelligent matchen

Für Gewerbekunden bedeutet das:

  • ein hoher Anteil fix bepreister, erneuerbarer Energie

  • geringere Abhängigkeit vom Spotmarkt

  • bessere Planbarkeit über mehrere Jahre

Für das Gesamtsystem entsteht ein integriertes Modell aus Erzeugung, Speicherung, Finanzierung und Vermarktung – eine vollständige Wertschöpfungskette der Energiewirtschaft unter einem Dach.


Ladeinfrastruktur für E-LKWs: Ein weiteres Puzzlestück

Ein weiteres Venture im Helio-Ökosystem ist der Ausbau von Ladeinfrastruktur für elektrisch betriebene LKWs. Viele Logistiker stehen unter Druck, ihre Flotten zu elektrifizieren – scheitern aber an Investitionskosten.

Das Modell:

  • Investoren finanzieren Ladeinfrastruktur

  • Logistiker stellen Fläche und Nutzung

  • Strom kommt perspektivisch aus eigenen erneuerbaren Anlagen

So wird Elektrifizierung möglich, ohne dass Logistikunternehmen hohe Anfangsinvestitionen stemmen müssen. Gleichzeitig entstehen neue, stabile Renditequellen für Investoren.


Politik, Regulierung und der Blick nach vorn

Im Interview sprechen wir auch über politische Rahmenbedingungen, Regierungswechsel und unterschiedliche energiepolitische Leitbilder. Fabio bleibt dabei pragmatisch: Entscheidend sei nicht, was politisch angekündigt wird, sondern was wirtschaftlich funktioniert.

Der Ansatz:

  • Unabhängigkeit von Fördermechanismen

  • Skalierung über privates Kapital

  • Fokus auf Sachwerte mit realer Wirkung

Oder wie ich es im Gespräch zusammenfasse:

„Wenn der Tisch leer ist, dann wird einfach geplant, Attacke, Angriff und fertig.“

Diese Haltung zieht sich durch das gesamte Gespräch – und erklärt, warum Helio Connect in kurzer Zeit Investitionen im dreistelligen Millionenbereich mobilisieren konnte.


Fazit: Rendite als Motor der Energiewende

Das Gespräch mit Fabio Griemens zeigt eindrucksvoll, dass die Energiewende nicht an Technologie oder Kapital scheitert – sondern an Strukturen und Denkweisen. Modelle wie das PV-Direktinvestment verbinden wirtschaftliche Interessen mit gesellschaftlicher Wirkung.

Nicht Verzicht, sondern Attraktivität wird zum Hebel. Nicht Moral, sondern Marktwirtschaft beschleunigt den Ausbau.

Wer sich für die Zukunft der Energieversorgung, neue Geschäftsmodelle oder Investitionen in erneuerbare Energien interessiert, sollte diese Folge unbedingt hören.

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