Deutsches Sonnenmärchen: Warum Photovoltaik unaufhaltsam ist – und was Energieüberfluss möglich macht

Die Energiewende wird häufig als Belastung erzählt. Als moralische Pflicht. Als schmerzhafter Umbau. Als Verzichtsprogramm.

Doch was, wenn genau diese Erzählung das eigentliche Problem ist?

In der aktuellen Folge meines Podcasts „Energie im Wandel“ spreche ich mit dem Autor und Speaker Michael Bukowski über eine radikal andere Perspektive: die Energiewende als Eintritt in ein Zeitalter des Energieüberflusses. Ausgangspunkt unseres Gesprächs ist sein Buch „Deutsches Sonnenmärchen“ – eine ungewöhnliche, fast poetische Geschichte der Photovoltaik.

Schon in der Anmoderation formuliere ich einen Gedanken, der den Kern des Gesprächs trifft:

„Wir diskutieren die Energiewende oft als Last. Dabei übersehen wir das Wesentliche.“

Was folgt, ist ein Gespräch über Solarpioniere, politische Weichenstellungen, verpasste Chancen – und über eine Zukunft, die weit über Strompreise und Kilowattstunden hinausgeht.


Die galaktische Perspektive: Warum ein Außerirdischer die beste Wahl ist

Michael Bukowski erzählt die Geschichte der Photovoltaik aus der Perspektive eines Außerirdischen, der seit den 1950er-Jahren die Menschheit beobachtet. Diese „galaktische Perspektive“ ist kein Gimmick, sondern ein bewusstes Stilmittel.

Denn aus dieser Distanz wirkt vieles, was wir auf der Erde diskutieren, plötzlich absurd:
Eine Zivilisation entdeckt eine nahezu unerschöpfliche Energiequelle – und zögert trotzdem.

Bukowskis These:
Im Universum gibt es eine einfache Regel. Zivilisationen, die es nicht schaffen, die Energie ihres Sterns zu nutzen, verschwinden früher oder später. Nicht aus Bosheit, sondern aus physikalischer Logik.

Diese Perspektive entkoppelt die Energiewende von Tagespolitik und Ideologie. Sie macht sie zu einer zivilisatorischen Frage.


Solarenergie: Keine Nische, sondern eine Jahrhunderttechnologie

Ein zentrales Motiv des Gesprächs ist die historische Dimension der Photovoltaik. Oft wird Solarenergie als „eine von vielen Technologien“ behandelt. Bukowski widerspricht entschieden.

Er ordnet sie in eine ganz andere Liga ein – vergleichbar mit der Beherrschung des Feuers.

Auch ich greife diesen Gedanken auf und bringe ihn im Gespräch auf den Punkt:

„Du hast ja in deinem Buch auch geschrieben, dass tatsächlich die Entwicklung der Solarenergie fast so wichtig ist wie die Beherrschung des Feuers.“

Warum dieser Vergleich nicht übertrieben ist:

  • Solarenergie ist überall verfügbar

  • sie skaliert exponentiell

  • sie entkoppelt Wohlstand von endlichen Ressourcen

  • sie ist geopolitisch dezentral

Damit unterscheidet sie sich fundamental von allen fossilen Energieträgern – und auch von der Kernenergie.


Die vergessenen Solarpioniere Deutschlands

Ein besonders spannender Teil des Interviews ist der Blick zurück. Denn Deutschland war nicht immer Zauderer bei Solarenergie – im Gegenteil.

Bukowski spricht von Hippie-Ingenieuren in Kreuzberger Hinterhöfen, konservativen Landwirten, renommierten Physikern und Tüftlern, die über Jahrzehnte an derselben Idee gearbeitet haben. Menschen, die politisch und kulturell kaum unterschiedlicher sein konnten – aber ein gemeinsames Ziel hatten.

Diese Vielfalt ist einer der Gründe, warum die deutsche Solarindustrie in den 1990er- und 2000er-Jahren weltweit führend wurde.

Ich selbst erinnere mich beim Lesen seines Buches an viele dieser Phasen – und sage im Podcast:

„Ich habe an vielen Stellen tatsächlich eigene Erinnerungen gehabt, wo ich dachte: Ja, ich erinnere mich daran. So war das.“


Das EEG: Politischer Mut mit globaler Wirkung

Ein Schlüsselmoment der deutschen Solarerfolgsgeschichte ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das im Jahr 2000 in Kraft trat.

Was dieses Gesetz besonders machte:

  • Es wurde aus der Mitte des Bundestages initiiert

  • es war parteienübergreifend

  • es schuf Investitionssicherheit

  • es gab erneuerbaren Energien systematisch Vorrang

Die Wirkung reichte weit über Deutschland hinaus. Die Grundprinzipien des EEG wurden laut Schätzungen in bis zu 100 Ländern weltweit übernommen.

Damit wurde die deutsche Energiepolitik – zumindest zeitweise – zu einem globalen Innovationsmotor.


Der Bruch: Warum Deutschlands Solarindustrie abstürzte

So beeindruckend der Aufstieg war, so schmerzhaft war der Absturz. Zwischen 2011 und 2012 brach ein Großteil der deutschen Solarindustrie weg. Zehntausende hochqualifizierte Arbeitsplätze gingen verloren.

Im Podcast diskutieren wir die Ursachen differenziert:

  • politische Kurswechsel

  • Marktverunsicherung

  • fehlende industrielle Skalierung

  • globale Konkurrenz, insbesondere aus China

Bukowski betont dabei einen wichtigen Punkt: Selbst ohne politische Fehler wäre es schwer gewesen, die industrielle Massenproduktion langfristig in Deutschland zu halten. China hatte früh erkannt, dass Solarenergie eine Frage nationaler Sicherheit ist – und entsprechend skaliert.


China, Skalierung und strategisches Denken

Ein wiederkehrendes Thema im Gespräch ist der Vergleich zwischen Deutschland und China. Während hierzulande oft kleinteilig diskutiert wird, hat China früh groß gedacht:

  • riesige Produktionskapazitäten

  • massive Skaleneffekte

  • langfristige strategische Planung

Das Ergebnis: drastisch gesunkene Preise für Photovoltaik weltweit. Ironischerweise profitiert heute die ganze Welt davon – auch Deutschland.

Solarenergie ist inzwischen die günstigste Form der Stromerzeugung in der Geschichte der Menschheit.


Energieüberfluss: Mehr als nur günstiger Strom

Der vielleicht wichtigste Teil des Gesprächs ist der Blick nach vorn. Denn Bukowski spricht nicht nur über Energie, sondern über das, was Energie ermöglicht.

Er beschreibt eine Welt, in der Energie im Überfluss vorhanden ist – vergleichbar mit Atemluft. Eine Welt, in der viele heutige Konflikte ihre Grundlage verlieren.

Ich bringe diesen Gedanken im Podcast selbst auf den Punkt:

„Ich habe ja in der Anmoderation schon das Thema Energieüberfluss erwähnt.“

Aus diesem Überfluss ergeben sich völlig neue Möglichkeiten:

  • Meerwasserentsalzung gegen Wasserknappheit

  • CO₂-Abscheidung, die bezahlbar wird

  • Renaturierung von Wüsten

  • neue industrielle Prozesse

  • weniger geopolitische Abhängigkeiten

Das ist keine naive Utopie, sondern eine logische Folge exponentieller technologischer Entwicklung.


Warum der Markt längst entschieden hat

Ein besonders starker Gedanke aus dem Gespräch:
Wenn selbst politische Gegenwehr den Ausbau erneuerbarer Energien nicht mehr stoppen kann – was sagt das über die Macht dieser Entwicklung?

Selbst in Regionen wie Texas, selbst unter politischen Rahmenbedingungen, die offen gegen Klimaschutz argumentieren, setzen sich Solar- und Windenergie durch. Nicht aus Ideologie, sondern aus ökonomischer Logik.

Der Markt hat sich entschieden.


Vom Kulturkampf zur Alltagstechnologie

Ein Hoffnungsschimmer für Deutschland liegt laut Bukowski in der Entideologisierung der Energiewende. Wenn Wärmepumpen, E-Autos und Solaranlagen nicht mehr als „politische Statements“ wahrgenommen werden, sondern als bessere Lösungen, verschwindet der Kulturkampf von selbst.

Das geschieht bereits:

  • durch Wärmepumpen-Infotage

  • durch positive Nutzererfahrungen

  • durch sinkende Kosten

  • durch steigende Zuverlässigkeit

Der Klimaschutz wird dann nicht mehr moralisch begründet, sondern praktisch erlebt.


Fazit: Warum dieses Sonnenmärchen real ist

Deutsches Sonnenmärchen ist kein nostalgischer Rückblick und kein technisches Fachbuch. Es ist eine Einladung, die Energiewende neu zu denken: nicht als Verzicht, sondern als Fortschritt.

Das Interview mit Michael Bukowski zeigt:

  • Die Photovoltaik ist eine Schlüsseltechnologie unserer Zeit

  • Energieüberfluss ist keine Fantasie, sondern absehbar

  • viele heutige Konflikte sind energiegetrieben

  • die Zukunft wird von denen gestaltet, die groß denken

Oder anders gesagt:
Die Sonne hat längst gewonnen. Die Frage ist nur, wann wir aufhören, so zu tun, als wäre das noch offen.


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