Die Energiewirtschaft steht mitten in der größten Transformation ihrer Geschichte. Der Abschied von fossilen Energieträgern, der massive Ausbau von Wind- und Solarenergie und die gleichzeitige Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie stellen das gesamte Energiesystem auf den Kopf. Doch eine Frage entscheidet darüber, ob diese Transformation gelingt oder ins Stocken gerät:
Wie schaffen wir es, Strom dann verfügbar zu machen, wenn wir ihn brauchen – und nicht nur dann, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht?
Eine mögliche Antwort: Großbatteriespeicher.
In der aktuellen Folge des Podcasts „Energie im Wandel“ spricht Podcast-Host Claus Hartmann mit Georg Gallmetzer, Geschäftsführer von Ecostor, über genau diese Frage – und darüber, warum Großbatteriespeicher eine Schlüsselrolle für ein klimaneutrales, stabiles und bezahlbares Energiesystem spielen.
„Die fossile Welt wird von einer nachhaltigen, elektrifizierten Zukunft abgelöst“
Schon in der Anmoderation bringt Claus Hartmann den Kern der Diskussion auf den Punkt:
„Die fossile Welt wird von einer nachhaltigen, elektrifizierten Zukunft abgelöst.“
Doch diese Zukunft kommt nicht von allein. Sie muss gebaut, organisiert – und vor allem stabilisiert werden.
Denn während der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland in den letzten Jahren stark an Fahrt aufgenommen hat, wächst gleichzeitig ein strukturelles Problem:
Das Stromangebot wird volatiler – der Bedarf aber nicht.
Wer ist Georg Galltemtzer – und was ist Ecostor?
Georg Gallmetzer ist seit über vier Jahren Geschäftsführer der Ecostor GmbH, einem Unternehmen, das sich auf die Entwicklung, den Bau und den Betrieb von Großbatteriespeichern spezialisiert hat.
Sein persönlicher Antrieb ist dabei klar:
„Das ist unsere Generationenaufgabe, da was zu machen.“
Ecostor verfolgt eine ambitionierte Mission:
Die Energiewende unumkehrbar machen.
Nicht durch politische Appelle – sondern durch Infrastruktur.
Warum Batteriespeicher mehr sind als nur „nice to have“
Viele Menschen denken bei Batteriespeichern zuerst an Heimspeicher im Keller. Doch das eigentliche systemische Potenzial liegt in großskaligen Batteriespeichern im Netz.
Gallmetzer bringt es drastisch auf den Punkt:
„Speicher allein haben aus meiner Sicht keine Existenzberechtigung. Sie sind das stützende Bein, damit Wind- und Solaranlagen nicht mehr gefördert werden müssen.“
Was heißt das konkret?
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Erneuerbare Energien produzieren nicht bedarfsgerecht, sondern wetterabhängig
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Ohne Speicher entstehen:
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negative Strompreise
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Abregelungen von Wind- und Solarparks
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teure fossile Spitzenlast am Abend
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Batteriespeicher lösen genau dieses Problem.
Das tägliche Dunkelflauten-Problem (auch ohne Dunkelflaute)
Ein spannender Gedanke aus dem Interview:
Eigentlich haben wir jeden Tag eine kleine Dunkelflaute.
Abends, wenn:
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die Sonne untergeht
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der Verbrauch steigt
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und noch zu wenig Wind weht
Heute wird diese Lücke oft noch mit Gaskraftwerken geschlossen.
Batteriespeicher können genau hier ansetzen:
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mittags laden (wenn viel Solarstrom da ist)
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abends entladen (wenn der Bedarf hoch ist)
Das Praxisbeispiel: Bollingstedt
Ein besonders beeindruckendes Beispiel ist die Anlage in Bollingstedt (Schleswig-Holstein):
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100 MW Leistung
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238 MWh Kapazität
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aktuell einer der größten Batteriespeicher Deutschlands
Die Effekte:
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rund 100 Tonnen CO₂-Einsparung pro Tag
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weniger Abregelung von Erneuerbaren
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geringere Stromsystemkosten
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Entlastung der Netze
Galltemtzer nennt solche Anlagen:
„Volkswirtschaftliche Effizienzmaschinen und CO₂-Waschmaschinen.“
Und das Beste:
👉 Bezahlt vom privaten Kapital. Nicht vom Steuerzahler.
Sind Batteriespeicher heute schon wirtschaftlich?
Ein verbreiteter Mythos: Batteriespeicher seien heute eine „Gelddruckmaschine“.
Galltemtzer widerspricht:
„Die Speicher sind heute auch nicht unfassbar wirtschaftlich. Das ist so ein Mythos, der durch die Branche geht.“
Warum investieren trotzdem so viele?
Weil:
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das System extreme Preissignale erzeugt
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Speicher diese Volatilität physisch ausgleichen
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und damit echten Mehrwert schaffen
Wichtig:
Das ist keine Spekulation, sondern realer physischer Stromhandel.
Speicher sind kein „Bitcoin-Mining“
Ein wichtiger Punkt im Interview ist die Abgrenzung von reiner Finanzspekulation.
Batteriespeicher:
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kaufen Strom, wenn zu viel da ist
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verkaufen Strom, wenn er fehlt
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jede Transaktion ist physisch gedeckt
Oder wie Galltemtzer sinngemäß sagt:
Das ist kein digitales Casino – das ist Systemdienstleistung.
Netzbetreiber, Leitplanken und Systemstabilität
Je größer die Speicher werden, desto wichtiger wird die Frage:
Wie integrieren wir sie sicher ins Netz?
Hier kommen die sogenannten Leitplanken der Systembetreibbarkeit ins Spiel:
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Leistungsgradienten
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Fahrplanbegrenzungen
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Einspeise- und Bezugsgrenzen
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Engpassmanagement
Das macht den Betrieb hochkomplex – aber auch hoch relevant.
Die große Baustelle: Netzentgelte
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Reform der Netzentgelte.
Heute:
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zahlen fast alle gleich viel
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egal ob sie das Netz belasten oder entlasten
Die Zukunft:
👉 Dynamische Netzentgelte als Preissignal
Galltemtzer sagt klar:
Ohne diese Signale können Erzeuger, Verbraucher, Speicher und Netze nicht miteinander kommunizieren.
Flexible Netzanschlussverträge – Chance oder Investitionsbremse?
Ein weiteres heißes Eisen:
Die neuen flexiblen Netzanschlussverträge.
Idee:
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Speicher dürfen angeschlossen werden
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müssen aber Rücksicht auf Netzengpässe nehmen
Problem:
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In manchen Regionen drohen Regelungen, die Investitionen unwirtschaftlich machen.
Galltemtzer warnt:
Wenn das so bleibt, entstehen Speicher nur dort, wo sie am wenigsten gebraucht werden.
Der große geopolitische Kontext: „Electrified State vs. Petrol State“
Ein besonders spannender Teil des Interviews ist der geopolitische Blick:
„Europa hat keine andere Wahl, als sich konsequent zu elektrifizieren.“
Warum?
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Fossile Abhängigkeiten sind politische Abhängigkeiten
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Elektrifizierung schafft:
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Resilienz
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Versorgungssicherheit
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Souveränität
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China macht es vor – mit massiver Geschwindigkeit.
Und was ist mit der Dunkelflaute?
Ja – es wird sie geben.
Aber:
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Batteriespeicher können einen großen Teil der Spitzen abfangen
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nicht alles – aber genug, um:
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den Gaskraftwerksbedarf massiv zu senken
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extreme Preisspitzen zu glätten
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das System stabiler und billiger zu machen
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Akzeptanz: Ohne die geht gar nichts
Ein Punkt, der oft unterschätzt wird:
Diese Anlagen stehen in Gemeinden. Nicht in PowerPoints.
Gallmetzer sagt klar:
Man braucht:
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Respekt
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Transparenz
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Beteiligung
Oder wie Claus Hartmann es aus der Praxis kennt:
Wenn Menschen beteiligt sind, entsteht Rückenwind statt Widerstand.
Ecostors Ziel: Gigawattstunden ins Feld bringen
Ecostor denkt in großen Maßstäben:
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aktuell Projekte mit 300 MW / 700+ MWh im Bau
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Ziel: Gigawattstunden-Kapazitäten in wenigen Jahren
Nicht als Selbstzweck – sondern als:
👉 Stabilisator der Energiewende
Fazit: Ohne Speicher keine Energiewende
Die Energiewende scheitert nicht an Windrädern oder Solarmodulen.
Sie scheitert – wenn überhaupt – an fehlender Flexibilität.
Batteriespeicher sind:
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kein Luxus
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kein Spielzeug
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kein Finanztrick
Sie sind:
Systemrelevant.
Oder wie Claus Hartmann es formuliert:
„Die fossile Welt wird von einer nachhaltigen, elektrifizierten Zukunft abgelöst.“
Die Frage ist nur:
Bauen wir die Infrastruktur rechtzeitig?
👉 Hier geht’s zur kompletten Podcastfolge: Batteriespeicher als Schlüssel zur Energiewende: Wie Ecostor Netzengpässe, Kosten & CO₂ senkt