Blackout in Berlin: Was der Stromausfall über unsere Versorgungssicherheit, Resilienz und unser Mindset verrät

Blackout in Berlin: Ein Warnsignal mitten aus der Realität

Am 3. Januar, früh am Morgen, passiert in Berlin etwas, das viele bis dahin für nahezu ausgeschlossen hielten: Ein großflächiger Stromausfall legt Teile der Hauptstadt lahm. Bis zu 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe sind betroffen – und das nicht für Minuten oder Stunden, sondern für mehrere Tage.

Damit erlebt Berlin den längsten Stromausfall der Nachkriegsgeschichte.

Was zunächst wie ein regionales Ereignis klingt, ist in Wahrheit ein Weckruf für ganz Deutschland. Denn Strom ist längst nicht mehr nur Energie. Strom ist die Grundlage für Kommunikation, Wärme, Mobilität, medizinische Versorgung, Sicherheit, Wirtschaft und gesellschaftliche Stabilität.

Oder, wie du es im Podcast sehr treffend formulierst:

„Die Energiewirtschaft steckt in der größten Transformation ihrer Geschichte.“

Und genau in dieser Transformation zeigt sich: Unsere Systeme sind effizient – aber nicht automatisch resilient.


Was genau ist in Berlin passiert?

Laut Stromnetz Berlin kam es am frühen Morgen des 3. Januar zu mehreren Leitungsausfällen, ausgelöst durch einen Brandanschlag. Umspannwerke konnten nicht mehr versorgt werden. Große Teile der betroffenen Stadtgebiete waren plötzlich ohne Strom.

Was folgte, war ein Kraftakt für die Netzbetreiber:

  • Tiefbauarbeiten

  • Provisorische Mittelspannungsverbindungen

  • Schrittweise Wiederzuschaltung zehntausender Haushalte

  • Appelle, den Stromverbrauch zunächst niedrig zu halten

Ein Detail hat viele Fachleute überrascht:
Die Versorgung wurde nicht über vorhandene Redundanzen, sondern über provisorisch neu verlegte Kabelverbindungen wiederhergestellt.

Das wirft eine unbequeme Frage auf:

Wie robust ist unser Stromnetz wirklich?


Deutschland – Weltmeister der Zuverlässigkeit?

Die Zahlen sprechen zunächst eine klare Sprache:
Laut VDE lag die durchschnittliche Stromausfallzeit 2024 in Deutschland bei nur 12,9 Minuten pro Kunde und Jahr. Das entspricht einer Verfügbarkeit von 99,998 %.

Deutschland gehört damit weltweit zu den zuverlässigsten Stromversorgungssystemen überhaupt.

Und trotzdem zeigt Berlin:
Auch Hochsicherheitssysteme haben Schwachstellen.

Oder, wie du im Podcast sehr ehrlich sagst:

„Ich persönlich bin ja der Meinung, dass wir in Deutschland in einem sehr sicheren Land leben. Auch beim Thema Versorgungssicherheit.“

Beides ist gleichzeitig wahr:
✔ Unser System ist extrem stabil
✔ Aber es ist nicht unverwundbar


Redundanz: Theoretisch vorhanden – praktisch nicht überall

In vielen Regionen Deutschlands sind Stromnetze als Ringnetze aufgebaut. Der große Vorteil:
Fällt eine Leitung aus, kann von der anderen Seite weiter versorgt werden.

In Berlin scheint genau diese Redundanz an der betroffenen Stelle nicht wirksam gewesen zu sein.

Das Ergebnis:
Ein einzelner Sabotageakt mit massiven gesellschaftlichen Folgen.

Hier wird deutlich:
Resilienz entsteht nicht durch Statistiken – sondern durch reale Strukturen.


Blackout: Ein Wort, das Angst macht – und Klarheit braucht

Spätestens seit Marc Elsbergs Roman Blackout ist das Szenario in der öffentlichen Debatte angekommen. Und ja: Deutschland hat eine gewisse Neigung zur „German Angst“.

Aber Angst ist kein guter Ratgeber.

Viel wichtiger ist eine nüchterne Frage:

Wie gut sind wir vorbereitet – technisch, organisatorisch, mental?

Du sprichst im Podcast sehr offen darüber, dass du selbst keinen Inselbetrieb für dein Haus installiert hast – obwohl du es könntest. Nicht aus Ignoranz, sondern aus Vertrauen in das System.

Und trotzdem bleibt die Frage:
Was ist klug? Was ist übertrieben? Was ist naiv?


Kritische Infrastruktur: Mehr als nur Netze

Bei einem Blackout geht es nicht nur um Licht.

Es geht um:

  • Krankenhäuser

  • Dialysezentren

  • Kommunikation

  • Tankstellen

  • Wasser- und Abwassersysteme

  • Kühlketten

  • Pflegeeinrichtungen

  • Sicherheitssysteme

Deshalb existieren Notstromsysteme, Dieselaggregate und Notfallpläne. Aber:

Ein mehrtägiger, flächendeckender Stromausfall ist eine völlig andere Liga.


Schwarzstartfähigkeit: Das vergessene Thema

Ein besonders wichtiger Punkt aus deiner Folge ist die sogenannte Schwarzstartfähigkeit – also die Fähigkeit, ein Stromnetz ohne externe Versorgung wieder hochzufahren.

Hier sagst du sehr deutlich:

„Viele Betreiber von Heizkraftwerken haben das gern in sich, dass die einfach versorgen wollen.“

Und trotzdem liegt die Verantwortung heute zentral bei den Übertragungsnetzbetreibern – nicht bei den lokalen, eigentlich bestens geeigneten Akteuren wie Stadtwerken und Heizkraftwerksbetreibern.

Die unbequeme Frage lautet:

Haben wir zu viel zentralisiert – und zu wenig lokale Resilienz aufgebaut?


Stadtwerke: Die unterschätzten Stabilitätsanker

Gerade kommunale Versorger haben:

  • Regionale Verantwortung

  • Technisches Know-how

  • Infrastruktur vor Ort

  • Und vor allem: eine Versorger-DNA

Oder wie du es beschreibst:

„Für ihn ist es klar, dass man sich da drum kümmert.“

Diese Haltung ist unbezahlbar.
Und sie könnte in einer Krisensituation den Unterschied machen.


Übung schlägt Theorie: Was wir von Feuerwehren lernen können

Besonders spannend ist dein Verweis auf die betreute Masterarbeit zur Blackout-Resilienzstrategie für Kiel.

Das Ergebnis:

  • Massive Unterschiede im Vorbereitungsgrad der Kommunen

  • Teilweise exzellente Konzepte

  • Teilweise erschreckende Lücken

  • Kaum standardisierte Übungen

Dabei gilt:

Was nicht geübt wird, funktioniert im Ernstfall nicht.


Resilienz beginnt im Kopf

Und hier kommt dein eigentliches Kernthema ins Spiel: Mindset.

Nicht Panik.
Nicht Verdrängung.
Sondern souveräne Vorbereitung bei gleichzeitiger Gelassenheit.

Oder wie du es sehr schön formulierst:

„Wenn du es trainiert hast, dich dann souverän zu verhalten, kann es tatsächlich noch mehr dazu beitragen, dass du entspannter leben kannst.“


Was heißt das konkret?

Für Politik:

  • Resilienz strategisch priorisieren

  • Schwarzstartfähigkeit neu denken

  • Dezentrale Strukturen stärken

Für Energieunternehmen:

  • Redundanzen ehrlich prüfen

  • Notfallkonzepte üben

  • Lokale Verantwortung ernst nehmen

Für jeden Einzelnen:

  • Keine Panik, aber gesunde Vorsorge

  • Keine Angst, aber Bewusstsein

  • Kein Wegschauen, aber Vertrauen


Fazit: Berlin war kein Weltuntergang – sondern ein Weckruf

Der Stromausfall in Berlin war:

❌ Kein Beweis für Systemversagen
✅ Aber ein Beweis für Verbesserungspotenzial

Er zeigt:
Unsere Energieversorgung ist stark.
Aber Resilienz ist kein Selbstläufer.


🎧 Zum Abschluss: Höre die komplette Folge

In der Podcastfolge von „Energie im Wandel“ analysierst du den Blackout in Berlin, ordnest die Zahlen ein und verbindest Technik, Verantwortung und Haltung auf eine sehr persönliche, reflektierte Weise.

👉 Hier geht’s direkt zur Folge: Blackout in Berlin: Was der Stromausfall über unsere Versorgungssicherheit, Resilienz und unser Mindset verrät