Die Energiewende verändert nicht nur, wie wir Strom erzeugen – sie verändert auch fundamental, wie wir Strom verteilen, nutzen und bezahlen. Wind, Sonne, Speicher, Elektroautos und Wärmepumpen sorgen für ein Energiesystem, das dynamischer, dezentraler und volatiler ist als je zuvor. Doch ein zentrales Element stammt noch aus einer anderen Zeit: unsere Netzentgelte.

Noch immer zahlen die meisten von uns einen statischen Preis – unabhängig davon, ob das Stromnetz gerade aus allen Nähten platzt oder große Kapazitäten ungenutzt bleiben. Das ist bequem, aber teuer. Und vor allem: es ist nicht mehr zeitgemäß.

In der aktuellen Folge meines Podcasts Energie im Wandel (👉 Link hier einfügen) habe ich mich intensiv mit einem Gutachten der Monopolkommission beschäftigt – und mit einer Idee, die das Potenzial hat, unser Stromsystem grundlegend zu verändern: dynamische Netzentgelte.

„Die Energiewende tatsächlich ohne dynamische Preissignale auch beim Thema Netzentgelte ist wie mit angezogener Handbremse unterwegs.“

Dieser Satz bringt das Problem ziemlich gut auf den Punkt.


Das Stromsystem steht unter Druck

Unser Stromsystem verändert sich gerade brachial:

Die Folge: Unsere Netze kommen immer häufiger an ihre Grenzen.

Allein 2024 mussten rund 2,8 Milliarden Euro für Redispatch und Engpassmanagement ausgegeben werden. Für 2025 rechnen viele bereits mit 3 Milliarden Euro – jedes Jahr.

Und das zahlt am Ende: der Kunde.

Heute machen Netzentgelte bereits rund 28 % des Strompreises aus – Tendenz: stark steigend.


Das Kernproblem: Ein blindes Preissystem

Das heutige Netzentgeltsystem kennt im Wesentlichen nur eine Logik:

Egal wann und wo du Strom verbrauchst – du zahlst fast immer gleich viel.

Doch in der Realität gibt es riesige Unterschiede:

Unser Preissystem ignoriert diese Realität vollständig.

„Das heutige System, wie wir diese Netzentgelte zahlen, das nimmt gar keine Rücksicht darauf, wann und wo – also zeitlich und räumlich – viel Strom verbraucht wird.“

Und genau hier setzt die Idee der dynamischen Netzentgelte an.


Was sind dynamische Netzentgelte?

Kurz gesagt:

Der Preis für Netznutzung richtet sich danach, wie stark das Netz gerade belastet ist.

Ja, richtig gelesen:
In bestimmten Situationen könnte man Geld bekommen, wenn man Strom verbraucht oder einspeist, weil man dem Netz damit hilft.

Das Ziel:


Warum das volkswirtschaftlich so mächtig ist

Netzausbau ist:

Wenn wir es stattdessen schaffen:

…dann sparen wir Milliarden.

Nicht irgendwann.
Jedes einzelne Jahr.


Der Blick in andere Länder

Andere Länder sind längst weiter:

Deutschland dagegen:
👉 Noch immer weitgehend statisch.


Das Konzept der Monopolkommission

Die Monopolkommission schlägt ein zweistufiges Modell vor:

1️⃣ Fixer Anteil (Grundpreis / Leistungspreis)

2️⃣ Dynamischer Anteil (Arbeits-/Steuerungspreis)

Damit entsteht ein echtes Lenkungsinstrument.


Wer soll mitmachen?

Kurzfassung: Alle.

„Es geht gar nicht mehr darum, dass man nur schaut, wer hier Strom verbraucht, sondern es wird immer geguckt: Welche Wirkung hast du auf das Netz?“

Das ist ein echter Paradigmenwechsel.


Die Schlüsselrolle der Speicher

Batteriespeicher sind:

Sie werden zum Stoßdämpfer der Energiewendewenn die Preissignale stimmen.

Ohne dynamische Netzentgelte?
👉 Werden sie oft systemschädlich statt hilfreich betrieben.


Aber ist das nicht viel zu kompliziert?

Ehrliche Antwort:
👉 Ja. Es wird komplexer.

Aber:

„Das geht nicht mehr von Hand. Das kann man nicht mehr irgendwie mit einem Bleistift ausrechnen, sondern das muss vollautomatisch passieren.“

Die Lösung heißt: Digitalisierung.


Ohne Smart Meter? Keine Chance.

Deutschland hat ein massives Problem:

Deshalb schlägt die Monopolkommission einen Stufenplan vor:

Phase 1: Einfache Zeitfenster-Modelle

Phase 2: Echte dynamische Viertelstundenpreise


Politische Sprengkraft? Absolut.

Dynamische Netzentgelte bedeuten:

Aber auch:


Die ehrliche Alternative

Wenn wir das nicht machen:

Oder anders gesagt:

„Wir müssen uns entscheiden, wie lange wir uns leisten wollen, ohne dynamische Netzentgelte vorzugehen.“


Fazit: Ein überfälliger Systemwechsel

Dynamische Netzentgelte sind:

Sie sind:

Ein zentraler Hebel für das Gelingen der Energiewende.


🎧 Zum Podcast

Die komplette Einordnung, alle Hintergründe und meine persönliche Einschätzung hörst du in der aktuellen Podcastfolge von Energie im Wandel:

👉 Hier geht’s zur Episode: Dynamische Netzentgelte: Wie smarte Preissignale den Netzausbau bremsen und die Energiewende beschleunigen

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