Die Energiewende wird oft sichtbar gemacht durch Solaranlagen, Windräder oder Wärmepumpen. Doch was, wenn all das nur die Oberfläche ist?
Was, wenn die eigentliche Entscheidung darüber, ob die Energiewende gelingt oder scheitert, im Hintergrund fällt – in Datenstrukturen, Prozessen und Softwarearchitekturen?
Genau darüber spreche ich mit Björn Waide, Geschäftsführer von Lynqtech. Seine Perspektive ist klar, provokant und gleichzeitig hoch relevant:
„Die Energiewende wird nicht in den Heizungskellern entschieden, sondern im Rechenzentrum.“
Diese Aussage trifft einen Nerv. Denn sie verschiebt den Fokus von Hardware auf das, was alles verbindet: Software.
Warum die Energiewende zur Software-Challenge geworden ist
Wenn wir ehrlich sind, haben wir viele der klassischen Probleme bereits gelöst. Es gibt Technologien. Es gibt Förderprogramme. Es gibt Nachfrage.
Und trotzdem geht vieles zu langsam.
Warum?
Björn Waide beschreibt es treffend: Nicht fehlende Infrastruktur ist das Problem – sondern fehlende Prozesse.
Ein Beispiel: Smart Meter.
Eine Schlüsseltechnologie für die Energiewende. Und dennoch liegt die Verbreitung in Deutschland bei einem Bruchteil dessen, was möglich wäre.
Nicht weil Geräte fehlen.
Nicht weil Installateure fehlen.
Sondern weil Prozesse zu komplex, zu langsam und zu intransparent sind.
Das zeigt: Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in der physischen Welt – sondern in der digitalen.
IT ist kein Kostenfaktor – sie ist das Betriebssystem der Energiewelt
Viele Energieversorger behandeln IT noch immer wie eine klassische Supportfunktion. Etwas, das notwendig ist – aber keinen echten Wettbewerbsvorteil bringt.
Doch genau hier liegt ein fundamentaler Denkfehler.
Software ist nicht mehr nur Mittel zum Zweck. Sie ist der entscheidende Hebel für:
- Geschwindigkeit
- Skalierbarkeit
- Kundenerlebnis
- Innovation
Oder, um es auf den Punkt zu bringen:
„Wir müssen aufhören, Software als notwendiges Übel zu sehen. Sie ist das Betriebssystem der neuen Energiewelt.“
Diese Perspektive verändert alles.
Denn wer Software falsch einordnet, trifft falsche Entscheidungen – strategisch, organisatorisch und kulturell.
Die wahre Herausforderung: Komplexität beherrschbar machen
Die Energiewirtschaft ist komplex. Marktrollen, Regulierung, Prozesse – all das macht die Branche einzigartig, aber auch schwerfällig.
Für Endkunden ist diese Komplexität kaum nachvollziehbar.
Und genau hier entsteht ein massives Problem.
Denn:
- Kunden wollen einfache Lösungen
- Unternehmen liefern komplexe Strukturen
Das Ergebnis: Frustration auf beiden Seiten.
Ein Beispiel aus dem Gespräch:
Wer heute einen Smart Meter beantragen möchte, muss oft selbst herausfinden, wer zuständig ist. Das ist weder intuitiv noch zeitgemäß.
Die Lösung?
Komplexität darf intern existieren – aber nicht beim Kunden.
User Experience wird zum Wettbewerbsvorteil
Ein zentrales Thema im Interview ist die User Experience.
Und das nicht nur für Endkunden, sondern auch für Mitarbeitende.
Denn schlechte Software kostet Zeit.
Und Zeit ist in der Energiewende ein kritischer Faktor.
Björn bringt es auf den Punkt:
Auch Mitarbeitende sind im Grunde „Endkunden“ der Systeme, mit denen sie arbeiten.
Wenn diese Systeme:
- kompliziert
- langsam
- unübersichtlich
sind, dann entstehen Reibungsverluste – jeden Tag.
Und genau hier liegt eine enorme Chance:
Wer bessere Software baut, wird schneller.
Wer schneller ist, gewinnt.
Smart Metering: Ein Symptom für strukturelle Probleme
Das Beispiel Smart Meter zeigt sehr deutlich, wo die Herausforderungen liegen.
Nicht Technik ist der Engpass.
Sondern:
- fehlende Schnittstellen
- langsame Prozesse
- mangelnde Transparenz
Die Initiative „Smart Meter Now“ von Lynqtech zeigt einen möglichen Lösungsansatz:
- Prozesse vereinfachen
- Verantwortung bündeln
- Reaktionszeiten verkürzen
Ein besonders spannender Ansatz:
Wenn der zuständige Messstellenbetreiber nicht reagiert, wird der Auftrag weitergegeben.
Das erzeugt Druck im System – und genau dieser Druck ist notwendig, um Veränderung zu beschleunigen.
Vom Energieversorger zum Lösungsanbieter
Ein weiterer zentraler Gedanke aus dem Gespräch:
Die Rolle von Stadtwerken wird sich verändern.
Weg vom reinen Energieverkauf.
Hin zu ganzheitlichen Lösungen.
Denn Kunden wollen keine Kilowattstunden.
Sie wollen:
- Komfort
- Sicherheit
- Planbarkeit
Das bedeutet:
- Integration von PV, Wärmepumpe, Wallbox
- Steuerung über zentrale Plattformen
- einfache Bedienung
Oder anders gesagt:
Energie wird Teil eines größeren Ökosystems.
Die Zukunft gehört integrierten Plattformen
Ein Vergleich, der im Gespräch fällt, ist besonders treffend: Apple.
Warum funktioniert Apple so gut?
Nicht wegen einzelner Produkte.
Sondern wegen des Zusammenspiels.
Genau das fehlt in der Energiewirtschaft noch.
Heute:
- viele Anbieter
- viele Systeme
- wenig Integration
Morgen:
- vernetzte Lösungen
- einheitliche Nutzererfahrung
- intelligente Steuerung
Das Ziel:
Ein Ökosystem, das für den Kunden einfach funktioniert.
KI verändert die Spielregeln
Ein Thema, das in Zukunft massiv an Bedeutung gewinnen wird, ist Künstliche Intelligenz.
Nicht nur intern zur Effizienzsteigerung.
Sondern auch in der Interaktion mit Kunden.
Ein spannender Gedanke aus dem Gespräch:
Was passiert, wenn nicht mehr der Mensch selbst Verträge abschließt – sondern ein KI-Agent?
Das bedeutet:
- neue Schnittstellen
- neue Anforderungen
- neue Geschäftsmodelle
Unternehmen müssen sich darauf vorbereiten, dass sie künftig nicht nur mit Menschen, sondern auch mit Maschinen kommunizieren.
Standardisierung als Schlüssel zur Geschwindigkeit
Ein großes Problem heute:
Systeme sprechen nicht miteinander.
Oft müssen Daten manuell übertragen werden.
Das ist langsam, fehleranfällig und ineffizient.
Die Lösung liegt in:
- offenen Schnittstellen
- einheitlichen Standards
- automatisierten Prozessen
Nur so kann die notwendige Geschwindigkeit erreicht werden.
Denn eines ist klar:
Die Energiewende wartet nicht.
Warum Stadtwerke jetzt umdenken müssen
Viele Stadtwerke versuchen noch immer, alles selbst zu entwickeln.
Das Problem:
- begrenzte Ressourcen
- steigende Anforderungen
- hoher regulatorischer Druck
Die Folge:
Zu wenig Fokus auf Innovation.
Björn beschreibt es sehr klar:
Standardprozesse sollten ausgelagert werden.
Warum?
Weil sie keinen Wettbewerbsvorteil bringen.
Der Fokus sollte stattdessen auf dem liegen, was wirklich zählt:
- Kundenerlebnis
- neue Produkte
- innovative Geschäftsmodelle
Cloud: Risiko oder Chance?
Ein oft diskutiertes Thema ist die Cloud.
Gerade in der Energiewirtschaft gibt es Bedenken:
- Sicherheit
- Abhängigkeit
- Regulierung
Doch die Realität ist:
Ohne Cloud wird es nicht gehen.
Wichtig ist dabei:
- keine Abhängigkeiten schaffen
- flexibel bleiben
- Datenhoheit sichern
Das Stichwort lautet: digitale Souveränität.
Die Energiewende ist auch eine Menschenfrage
Am Ende geht es nicht nur um Technologie.
Es geht um Menschen.
Denn:
- Menschen müssen Lösungen verstehen
- Menschen müssen sie nutzen wollen
- Menschen müssen Vertrauen haben
Oder, wie ich es selbst im Gespräch formuliere:
„Die Energiewende wird nicht in den Heizungskellern entschieden, sondern im Rechenzentrum.“
Und gleichzeitig:
„Die Energiewende ist eine Menschenwende.“
Denn ohne Akzeptanz, ohne Einfachheit und ohne Nutzen wird es nicht funktionieren.
Fazit: Jetzt ist die Zeit zu handeln
Die Energiewirtschaft steht an einem Wendepunkt.
Die gute Nachricht:
Die Lösungen sind da.
Die Herausforderung:
Sie müssen richtig eingesetzt werden.
Das bedeutet:
- IT strategisch denken
- Prozesse radikal vereinfachen
- Kunden konsequent in den Mittelpunkt stellen
Und vor allem:
Den Mut haben, Dinge anders zu machen.
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