Energie neu denken – radikal, unbequem, faszinierend
Die Energiewirtschaft befindet sich in der größten Transformation ihrer Geschichte. Netzausbau, volatile Einspeisung, steigende Kosten, Akzeptanzprobleme – all das prägt die aktuelle Diskussion rund um die Energiewende. Doch was wäre, wenn wir an der falschen Stelle suchen?
Was wäre, wenn Energie nicht erzeugt, gespeichert und verteilt werden müsste – sondern schlicht überall verfügbarwäre?
In dieser Folge meines Podcasts „Energie im Wandel“ habe ich mit Prof. Dr. Claus Turtur über genau diese Möglichkeit gesprochen: Nullpunktenergie, auch Raumenergie genannt. Ein Thema, das polarisiert, herausfordert und gleichzeitig enorme Visionen eröffnet.
Schon zu Beginn der Folge habe ich klargemacht, worum es mir geht:
„Die Energiewirtschaft steckt in der größten Transformation ihrer Geschichte und der Druck aus Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit steigt.“
Diese Transformation könnte – so die These von Prof. Turtur – viel fundamentaler sein, als wir es uns heute vorstellen.
Wer ist Prof. Claus Turtur?
Prof. Dr. Claus Turtur ist Physiker mit klassischem wissenschaftlichem Werdegang:
Studium der Physik an der Universität Bonn, Diplomarbeit in der Kernphysik, Promotion in angewandter Festkörperphysik an der Universität Regensburg. Forschungsstationen an Universitäten, ein Zwischenstopp in der Industrie – und schließlich eine Professur an der Ostfalia Hochschule.
Was ihn besonders macht: Seit rund 25 Jahren beschäftigt er sich intensiv mit der Frage, ob es eine unerschöpfliche, umweltverträgliche Energiequelle gibt, die jenseits unseres heutigen Energiesystems liegt.
Nicht, weil er sie gesucht hätte – sondern weil, wie er sagt, das Thema ihn gefunden hat.
Der „leere Raum“ ist nicht leer
Ein zentraler Punkt des Interviews ist eine physikalische Erkenntnis, die vielen außerhalb der Fachwelt kaum bekannt ist:
Der überwiegende Teil unseres Universums besteht nicht aus sichtbarer Materie.
Nach aktuellem Stand der Kosmologie sind nur rund 4,6 % des Universums sichtbar. Der Rest besteht aus unsichtbarer Materie und – zu etwa zwei Dritteln – aus unsichtbarer Energie.
Diese Energie ist kein esoterisches Konzept, sondern Bestandteil etablierter physikalischer Theorien. Schon Richard Feynman, Nobelpreisträger der Physik, beschäftigte sich mit sogenannten Vakuumpolarisationseffekten. Sie zeigen: Selbst im absoluten Vakuum existieren elektromagnetische Fluktuationen – die Nullpunktsenergie.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr: Gibt es diese Energie?
Sondern: Kann man sie technisch nutzbar machen?
Der Magdeburger Rotor: Experimenteller Nachweis
Ein besonders spannender Teil des Gesprächs dreht sich um den sogenannten Magdeburger elektrostatischen Rotor, den Prof. Turtur im Rahmen seiner Forschung aufgebaut und experimentell untersucht hat.
In einer Vakuumkammer wird ein Rotor allein durch ein elektrostatisches Feld in Bewegung versetzt – ohne mechanische Kopplung, ohne klassischen Energieeintrag. Die Messungen zeigten:
Während nur wenige Watt elektrische Verluste auftreten, liefert der Rotor eine deutlich höhere mechanische Leistung.
Dieser Versuchsaufbau war für Prof. Turtur ein Wendepunkt. Aus einer zunächst rein theoretischen Beschäftigung mit Raumenergie wurde die Frage nach praktischer Anwendung.
Overunity, Selbstläufer und ein häufiges Missverständnis
Ein Begriff, der im Zusammenhang mit Raumenergie immer wieder für Skepsis sorgt, ist Overunity. Schnell wird dabei an „Perpetuum mobile“ gedacht – und damit an etwas, das laut Schulphysik unmöglich ist.
Doch genau hier liegt ein Missverständnis.
Overunity bedeutet nicht, dass Energie „aus dem Nichts“ entsteht. Es bedeutet, dass zusätzlich zur eingespeisten Energie ein weiterer Energiefluss genutzt wird – ähnlich wie bei einer Wärmepumpe, die Umweltenergie einbindet.
Noch einen Schritt weiter gehen sogenannte Selbstläufer: Systeme, die vollständig aus Raumenergie gespeist werden und keinen klassischen Energieinput benötigen. Für diese Systeme macht der Begriff Wirkungsgrad kaum noch Sinn – weil kein Vergleichsmaßstab mehr existiert.
Acht technische Systeme – acht mögliche Umbrüche
Im Interview stellt Prof. Turtur insgesamt acht unterschiedliche technische Ansätze vor, mit denen Raumenergie nutzbar gemacht werden könnte. Dazu gehören unter anderem:
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Magnetmotoren zur stationären Energieversorgung von Gebäuden
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Endlos-Batterien für mobile Geräte ohne Ladezyklen
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Spezielle Transformatoren, die sich selbst versorgen
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Wasserstoff-Elektrolyse mit Overunity, bei der Wasser direkt als „Treibstoff“ dient
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Hydraulische Systeme mit extrem hohen Drücken
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Kapillarsysteme, inspiriert von der Wasserförderung in Bäumen
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Gravitationssysteme, die das Schwerefeld der Erde nutzen
Das Besondere: Diese Konzepte decken theoretisch alle Energieanwendungen ab – vom Smartphone bis zur Industrieanlage, vom Einfamilienhaus bis zum Schiff.
An einer Stelle im Gespräch habe ich meine eigene Faszination kaum verbergen können:
„Das ist schon in meiner Welt echt revolutionär, sich das vorzustellen.“
Was würde das für die Energiewende bedeuten?
Sollten sich auch nur einige dieser Konzepte in der Praxis durchsetzen, hätte das tiefgreifende Konsequenzen:
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Stromnetze würden an Bedeutung verlieren
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Energiespeicher wären überflüssig
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Energie würde lokal, autark und dauerhaft verfügbar
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Energiepreise verlören ihre heutige Macht
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Klimaschutz ließe sich direkt und global umsetzen
Mit frei verfügbarer Energie könnten Probleme gelöst werden, die heute als nahezu unüberwindbar gelten:
Meerwasserentsalzung, CO₂-Entnahme aus der Atmosphäre, Reinigung der Ozeane, Begrünung von Wüsten, medizinische Anwendungen wie wartungsfreie Herzschrittmacher.
Oder, wie ich es im Gespräch formuliert habe:
„Das sind ja Sachen, die im Grunde die drängendsten Probleme der Menschheit einfach so en passant gelöst werden könnten.“
Warum sehen wir diese Technologien noch nicht?
Eine der naheliegenden Fragen lautet: Wenn das alles möglich ist – warum nutzen wir es nicht längst?
Interessanterweise liegt die Antwort laut Prof. Turtur nicht primär in der Physik. Viele Konzepte seien theoretisch durchgerechnet, teilweise experimentell bestätigt. Das eigentliche Hindernis liege woanders:
bei Finanzierung, bei Risikobereitschaft, bei bestehenden Marktstrukturen – und bei menschlicher Trägheit.
Große technologische Umbrüche brauchen nicht nur kluge Köpfe, sondern auch Mut, Kapital und Bewegung. Und genau daran mangele es bislang.
Warum dieses Gespräch wichtig ist – gerade jetzt
Ob man den Thesen von Prof. Turtur zustimmt oder nicht: Dieses Interview erweitert den Horizont. Es zwingt dazu, die eigenen Annahmen über Energie, Physik und Zukunft zu hinterfragen.
In einer Zeit, in der wir Milliarden in Netze, Speicher und Übergangstechnologien investieren, lohnt sich zumindest die Frage:
Was, wenn der eigentliche Durchbruch ganz woanders liegt?
Mein Ziel mit diesem Podcast ist nicht, fertige Antworten zu liefern – sondern Denkprozesse anzustoßen. Und kaum ein Gespräch hat dieses Ziel so konsequent erfüllt wie dieses.
Fazit: Revolution oder Irrweg?
Nullpunktenergie ist kein bequemes Thema. Sie kratzt an Grundüberzeugungen, stellt etablierte Geschäftsmodelle infrage und fordert Offenheit ein – ohne naive Gläubigkeit.
Ob sie die nächste große Energierevolution wird oder ein wissenschaftlicher Irrweg bleibt, entscheidet sich nicht allein im Labor. Sondern auch in den Köpfen der Menschen, die bereit sind, neue Wege zu denken – und zu gehen.
🎧 Hier geht’s direkt zur Podcastfolge:
👉 Energie im Wandel – Nullpunktenergie & Freie Energie mit Prof. Claus Turtur