Wie Wolfgang Fasser von Roofit Solar mit gebäudeintegrierten PV-Systemen den Spagat zwischen Denkmalschutz und Energieeffizienz meistert. Inklusive Podcast-Link.
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Einleitung: Wenn Architektur und Nachhaltigkeit sich nicht ausschließen
Ein Solar-Dach, das schön aussieht, denkmalgeschützte Bauten respektiert und gleichzeitig Energie produziert? Genau das bietet Roofit Solar. Im Podcast Energie im Wandel spreche ich, Dr. Claus Hartmann, mit Wolfgang Fasser – einem Mann, der zwischen Finnland, Estland und Deutschland nicht nur geografisch, sondern auch ideell Brücken schlägt. Als Exportmanager des estnischen Unternehmens Roofit Solar zeigt er, wie gebäudeintegrierte Photovoltaik (GiPV) in Europa zur Lösung für schwierige architektonische und regulatorische Anforderungen werden kann.
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Von der Metalltechnik zum PV-Pionier: Wolfgang Fassers Weg
Wolfgang Fasser ist Österreicher, lebt in Tallinn und hat lange in Finnland und Schweden gearbeitet. Sein beruflicher Ursprung liegt in der Metalltechnik. Seine Leidenschaft für nachhaltige Energie kam nicht über Nacht, sondern wuchs mit seinen Aufgaben.
„Ich bin ein Mensch, der wirklich vom Produkt überzeugt sein muss. Wenn ich nicht überzeugt bin, dann funktioniert das nicht.“
Sein Weg führte ihn von Infrastrukturprojekten im hohen Norden bis zur Expansion eines innovativen PV-Unternehmens, das Module direkt in die Dachhaut integriert. Dabei spielt für Fasser nicht nur Technik eine Rolle, sondern auch eine sehr menschliche Motivation: seine Kinder.
„Kinder haben mich […] bescheidener gemacht, ruhiger gemacht und fokussierter gemacht.“
Auch sein beruflicher Werdegang zeigt, wie interdisziplinäre Erfahrungen eine Grundlage für innovative Lösungen bieten können. Fasser war unter anderem für Infrastrukturprojekte in Nordfinnland verantwortlich, in denen ganze Dörfer aufgrund von Minenaktivitäten versetzt wurden. Nachhaltiges Bauen und technisches Verständnis prägten so seinen Einstieg in die Welt der Photovoltaik.
Seine persönliche Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie sich ein traditioneller Beruf mit einer nachhaltigen Vision vereinen lässt. Als er durch das Netzwerk seiner Frau auf Roofit Solar aufmerksam wurde, erkannte er sofort das Potenzial der Technologie – vor allem durch den klaren Vorteil gegenüber herkömmlichen PV-Aufdachanlagen.
Roofit Solar: Technologie trifft Design
Roofit Solar hat eine Marktnische für sich entdeckt: Gebäude, bei denen klassische Aufdach-PV nicht erlaubt oder nicht gewünscht ist. Historische Altbauten, denkmalgeschützte Stadtkerne, Berghütten oder Hotels mit architektonischem Anspruch – dort punktet das estnische Unternehmen mit seinem Zwei-in-Eins-System: Dacheindeckung plus integrierte Photovoltaik.
Die Doppelsteg-Falzbleche mit laminierten Solarzellen bieten:
- Hagelwiderstandsklasse 4 (extrem widerstandsfähig)
- Nur 16 kg/m² Gewicht (ideal für schwache Dachstühle)
- Hohe Schneelast-Toleranz (bis 10 kN)
- Effizienz von rund 18 %
- Designvielfalt (auch in Terrakotta, Patina-Kupfer oder Hellgrau verfügbar)
Ein weiterer Vorteil: Das System ist recyclingfähig zu 96 %. Lediglich vier Prozent bestehen aus schwerer wiederverwertbaren Komponenten wie Silikonen oder Anschlussbuchsen.
„Unser System ist wirklich etwas für retrofit, denkmalgeschützte Gebäude, neue Gebäude, also Sanierungsfälle.“
Zusätzlich zum technischen Aufbau und der Widerstandsfähigkeit spielt auch die Ästhetik eine zentrale Rolle. Gerade in sensiblen Bereichen wie Stadtbildern, denkmalgeschützten Ensembles oder in der Hotellerie überzeugt Roofit Solar durch seine unauffällige Integration. In Kombination mit der Farbauswahl und einer beeindruckenden Flächenleistung von bis zu 190 Wp/m² bieten sich vielseitige Einsatzmöglichkeiten.
Realität statt Werbeversprechen: Erfolgreiche Referenzprojekte
Roofit Solar hat inzwischen in mehr als 25 Ländern über 3.000 Dächer installiert. Einige Leuchtturmprojekte verdeutlichen die Vielfältigkeit der Einsatzbereiche:
- Die Nationalbibliothek in Tallinn
- Eine denkmalgeschützte Alpenhütte des Österreichischen Alpenvereins auf 1.700 m Seehöhe
- Das Ministerium für Innovation und Bildung in Wien
- Mehrere Wohn- und Geschäftsgebäude in Wasserburg am Inn
- Eine Fassade mit 75 kWp in der Nähe von Wien
- Das großflächige Projekt am Tegernsee mit über 1 MW installierter Leistung auf 24 Gebäuden
Diese Projekte verdeutlichen nicht nur die Anpassungsfähigkeit der Technologie, sondern auch die wachsende Akzeptanz seitens der Behörden und Architekturbüros. Besonders im Bereich Denkmalschutz spielt Roofit Solar eine Vorreiterrolle. Landesdenkmalämter in Deutschland und Österreich empfehlen das System aktiv.
Hinzu kommt: Auch im Bereich der Gebäudehüllen hat Roofit Solar neue Maßstäbe gesetzt. Mit der eigenen Planungssoftware werden komplexe Dächer inklusive Gauben, Fenstern, Firsten und Schattenwurf exakt modelliert. Das spart nicht nur Planungszeit, sondern bietet auch eine klare Kalkulationsgrundlage für alle Projektbeteiligten.
Herausforderungen und Ausblick
Trotz technischer Reife bleibt die Markterschließung nicht einfach. Hohe Zertifizierungskosten, Bürokratie und kulturelle Vorurteile – gerade gegenüber Produkten aus Estland – waren zu überwinden. Doch mit Überzeugungskraft, technischen Fakten und Designqualität konnte Roofit Solar punkten.
Inzwischen wird sogar der US-Markt erschlossen, mit den ersten Lieferungen bis zu 1,1 Megawatt. Weitere Ziele sind Frankreich und Kanada, allerdings mit hohen regulatorischen Hürden.
Fasser betont: Der größte Gegner ist oft nicht die Technik – sondern das Denken in alten Mustern. Genau hier will Roofit Solar ansetzen: durch Aufklärung, Vertrauen und Partnerschaften. Das Unternehmen setzt dabei auf stabile Kooperationen mit Spenglern, Dachdeckern, Architekten und Planern – denn nur gemeinsam kann die Bauwende gestemmt werden.
Gleichzeitig bleibt die Forschung ein zentrales Standbein. Neue Farbvarianten, effizientere Modultechnologien, leichtere Materialien – all das ist Teil der Innovationsstrategie. Ziel ist es, gebäudeintegrierte PV vom Nischen- zum Standardprodukt zu entwickeln.
Nachhaltigkeit weitergedacht: Recycling und Lebensdauer
Ein weiterer großer Vorteil gebäudeintegrierter Lösungen liegt in ihrer Langlebigkeit und dem Umwelteinfluss. Während herkömmliche Aufdachanlagen zusätzliche Montagesysteme aus Aluminium benötigen – ein Material mit hoher Umweltbelastung bei der Herstellung – kommt Roofit Solar mit deutlich weniger Komponenten aus.
Auch die Recyclingquote spricht für sich: 96 % der Module können nach ihrer Lebensdauer wiederverwertet werden. Im Vergleich zu herkömmlichen Systemen, bei denen viele Kunststoff- und Verkapselungselemente schwer zu trennen sind, ist das ein enormer Fortschritt.
„Man muss sich schon Gedanken machen: Was passiert in 30 oder 40 Jahren? Es wird einen unglaublichen Boom an Recyclingprozessen geben.“
Zukünftig denkt Roofit Solar sogar über modulare Nachrüstlösungen nach: Wenn die PV-Leistung eines Daches nach Jahrzehnten abnimmt, könnte die Funktion durch Aufsatzmodule wieder ergänzt werden – ohne dass die bestehende Dachstruktur entfernt werden muss.
Fazit: Die Zukunft liegt im Dach
Was Wolfgang Fasser vermittelt, ist mehr als nur Technik. Es ist eine Haltung. Eine Kombination aus Überzeugung, Innovationsdrang und Nachhaltigkeitssinn, die spürbar ist. Seine Lebensgeschichte zeigt: Du musst nicht als Visionär starten, um einer zu werden. Du musst nur bereit sein, über den Tellerrand zu denken.
Ob Denkmalschutz, alpine Extreme oder architektonische Ansprüche – Roofit Solar hat für viele Herausforderungen eine Lösung geschaffen. Und vielleicht auch für Dein nächstes Dachprojekt.
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