Die Energiewirtschaft befindet sich mitten in der größten Transformation ihrer Geschichte. Doch echte Veränderung entsteht nicht allein durch Technologie oder politische Rahmenbedingungen. Sie entsteht durch Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, Risiken einzugehen und neue Wege zu gehen.
In dieser Podcastfolge von Energie im Wandel spreche ich mit Thomas Haberl – Unternehmer, Investor und ehemaliger Gründer von Dracoon. Seine Geschichte ist kein klassisches Silicon-Valley-Märchen. Sie ist geprägt von Umwegen, Fehlentscheidungen und mutigen Kurskorrekturen.
Und genau deshalb ist sie so wertvoll.
Der Mythos Startup: Warum gute Ideen nicht reichen
Viele glauben, dass Startups vor allem an schlechten Ideen scheitern. Die Realität sieht anders aus.
„Startups scheitern selten an Ideen, sie scheitern daran, dass ihnen der Fokus fehlt.“
Dieser Satz bringt die zentrale Erkenntnis des Gesprächs auf den Punkt. In der frühen Phase eines Unternehmens entstehen ständig neue Möglichkeiten: neue Produkte, neue Zielgruppen, neue Märkte. Die Versuchung ist groß, alles gleichzeitig zu verfolgen.
Doch genau das wird schnell zur Falle.
Thomas beschreibt eindrücklich, wie wichtig es ist, Ideen nicht nur zu entwickeln – sondern auch bewusst zu verwerfen. Fokus bedeutet nicht nur Priorisierung. Fokus bedeutet auch Verzicht.
Und dieser Verzicht ist oft der schwierigste Teil.
Vom Chaos zur Klarheit: Die frühen Jahre von Dracoon
Der Weg von Dracoon begann alles andere als geradlinig. Schon der Name des Unternehmens war das Ergebnis mehrerer Fehlstarts.
Ein Anwaltsschreiben zwang das Team, sich von der ursprünglichen Marke zu trennen. Ein klassischer Rückschlag – und gleichzeitig ein entscheidender Moment.
Denn genau hier zeigt sich ein Muster, das sich durch die gesamte Geschichte zieht: schnelle Anpassung statt stures Festhalten.
Thomas bringt es auf den Punkt:
„Man hat einen gewissen Plan vor sich liegend und plant ein Startup in einer gewissen Weise oder mit einem Produkt hochzusehen. Das Wichtige an dynamischen, jungen Startups ist schon, diesen Plan immer wieder mal zu prüfen.“
Diese Fähigkeit zur Selbstkorrektur ist einer der größten Erfolgsfaktoren. Wer sich zu sehr in seine ursprüngliche Idee verliebt, verliert schnell den Blick für die Realität des Marktes.
Pivot oder Stillstand: Der entscheidende Wendepunkt
Nach den ersten Jahren mit Cloud-Services wurde dem Team klar: Der Markt verändert sich schneller als erwartet.
Große Player wie Microsoft begannen, eigene Lösungen anzubieten – oft günstiger und mit enormer Marktmacht im Rücken. Ein klassischer Moment, in dem viele Startups scheitern.
Doch statt weiterzumachen wie bisher, entschied sich das Team für einen radikalen Schnitt.
Der Fokus verlagerte sich auf ein eigenes Produkt: sicheren Datenaustausch.
Was zunächst wie ein einfaches Feature wirkte, entwickelte sich zum entscheidenden Wachstumstreiber. Aus dieser Idee entstand schließlich das Produkt, das Dracoon erfolgreich machte.
Die wichtigste Lektion daraus: Innovation entsteht oft nicht durch neue Ideen, sondern durch konsequente Weiterentwicklung bestehender Ansätze.
Warum Wachstum auch bedeutet, loszulassen
Eine der spannendsten Geschichten im Gespräch dreht sich um ein Projekt, das auf den ersten Blick extrem erfolgreich war: der Verkauf digitaler Konzertmitschnitte.
Hohe Umsätze, begeisterte Kunden, echtes Momentum.
Und trotzdem wurde das Projekt eingestellt.
Warum?
Weil die Zahlen am Ende nicht gestimmt haben.
„Und dementsprechend haben wir dann mit schon einem weinenden Auge dieses Produkt dann irgendwo gecancelt.“
Diese Entscheidung zeigt, was unternehmerische Reife wirklich bedeutet. Es geht nicht darum, sich von Emotionen leiten zu lassen. Es geht darum, nüchtern zu analysieren, was langfristig funktioniert – und was nicht.
Viele Unternehmen scheitern genau an diesem Punkt. Sie halten zu lange an Dingen fest, die kurzfristig gut aussehen, aber langfristig nicht tragfähig sind.
Der Exit: Kein Zufall, sondern Strategie
Der Verkauf von Dracoon im Jahr 2023 war kein spontanes Ereignis. Er war das Ergebnis jahrelanger Vorbereitung.
Ein strukturierter Prozess, ein klarer Fokus auf Kennzahlen und ein professionelles M&A-Setup führten schließlich zum erfolgreichen Exit.
Was viele unterschätzen: Ein Exit beginnt nicht mit dem Verkauf – sondern Jahre vorher.
Thomas beschreibt den Prozess als eine Art „Beauty Contest“, bei dem potenzielle Käufer schrittweise mehr Informationen erhalten und Angebote abgeben.
Doch der entscheidende Teil kommt danach: die Due Diligence.
Ein intensiver Prüfprozess, der über Erfolg oder Scheitern des Deals entscheidet.
Hier zeigt sich erneut: Erfolg ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis konsequenter Vorbereitung.
Nach dem Exit: Was kommt danach?
Nach dem Verkauf stehen viele Unternehmer vor einer neuen Herausforderung: der Leere.
Keine operativen Entscheidungen mehr. Kein täglicher Druck. Keine klaren Ziele.
Thomas hat diese Phase bewusst genutzt, um sich neu zu orientieren. Zeit für Familie, Reflexion und neue Ideen.
Die zentrale Frage dabei: Was macht wirklich Sinn?
Und genau hier kommt die Energiewende ins Spiel.
Warum Kapital eine Schlüsselrolle in der Energiewende spielt
Die Transformation unseres Energiesystems erfordert enorme Investitionen. Gleichzeitig gibt es immer mehr Menschen, die ihr Kapital sinnvoll einsetzen möchten.
Thomas sieht hier eine große Chance: Direktinvestments in Photovoltaik und Batteriespeicher.
Das Prinzip ist einfach: Privatpersonen beteiligen sich an großen Energieprojekten – ähnlich wie bei Immobilien.
Doch der Effekt geht weit über Rendite hinaus.
Es geht um Teilhabe. Um Verantwortung. Und um die Möglichkeit, aktiv zur Energiewende beizutragen.
Photovoltaik als Investment: Mehr als nur Rendite
Ein besonders spannender Aspekt ist das Konzept des Direktinvestments.
Investoren erwerben dabei konkrete Anteile an einem Solarpark – inklusive eigener Infrastruktur wie Wechselrichter und Paneele.
Der Vorteil: ein echter Sachwert.
Sachwerte bieten Schutz vor Inflation und sind unabhängig von Unternehmensinsolvenzen. Gleichzeitig erzeugen sie langfristige Einnahmen durch Stromproduktion.
Dieses Modell verbindet wirtschaftliche Interessen mit gesellschaftlichem Nutzen – ein Ansatz, der in Zukunft immer wichtiger werden dürfte.
Die Rolle von Batteriespeichern: Der nächste große Schritt
Während Photovoltaik längst etabliert ist, stehen Batteriespeicher noch am Anfang ihrer Entwicklung.
Dabei sind sie entscheidend für die Stabilität des Energiesystems.
Sie ermöglichen es, überschüssigen Strom zu speichern und zu einem späteren Zeitpunkt zu nutzen. Besonders wichtig wird das in Zeiten hoher Solarproduktion.
Thomas sieht hier enormes Potenzial – warnt aber auch vor Übertreibungen im Markt.
Nach einer Phase der Euphorie folgt aktuell eine Korrektur. Die Herausforderung besteht darin, den richtigen Mittelweg zu finden.
Deutschland im Spannungsfeld: Chancen und Herausforderungen
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die politische und wirtschaftliche Situation in Deutschland.
Zwischen Bürokratie, regulatorischen Hürden und gesellschaftlicher Polarisierung entsteht oft ein komplexes Umfeld für Innovation.
Thomas plädiert für mehr Pragmatismus und weniger Ideologie.
Die Energiewende braucht keine Extreme. Sie braucht Lösungen, die funktionieren.
Und sie braucht Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Warum Unternehmertum entscheidend bleibt
Am Ende wird klar: Die Energiewende ist nicht nur ein technisches oder politisches Projekt. Sie ist vor allem ein unternehmerisches Projekt.
Es braucht Menschen, die Chancen erkennen, Risiken eingehen und Verantwortung übernehmen.
Menschen, die nicht nur diskutieren – sondern handeln.
Die Geschichte von Thomas Haberl zeigt, dass genau diese Haltung den Unterschied macht.
Fazit: Fokus als Schlüssel für Erfolg und Transformation
Ob Startup oder Energiewende – die zentralen Prinzipien bleiben gleich:
- Klarer Fokus
- Mut zur Entscheidung
- Bereitschaft, Fehler zu korrigieren
- Langfristiges Denken
Die Transformation unserer Energieversorgung wird nicht über Nacht passieren. Aber sie wird passieren – wenn wir bereit sind, sie aktiv zu gestalten.
Diese Podcastfolge liefert dafür nicht nur Inspiration, sondern auch konkrete Einblicke und Learnings.
👉 Jetzt reinhören: Vom Startup zum Solarpark: Thomas Haberl über Fokus, Exit und neue Chancen der Energiewende